Erste echte Eindrücke

Erste echte Eindrücke

So, jetzt sind fast drei Wochen rum und so langsam fühlt man sich angekommen im Referendariat. Das Gute gleich vorweg: Ich empfinde es nicht als doof oder nervig vor Schülern zu stehen und mit diesen zu interagieren, sondern es macht genau so Spaß wie mit Studierenden zu arbeiten. Aber natürlich merkt man besonders in den ersten eigenen Stunden, dass man sich an eine neue Zeiteinteilung gewöhnen muss – Sechstklässler schreiben einfach viel langsamer ab und zeichnen noch sehr viel langsamer als man das so unbedarft einschätzt. Von daher plane ich gerade einfach immer viel zu viel für 45 Minuten, aber das findet sich schon. In Physik ist das auch unproblematisch, da ich da so tief drin bin, dass ich auch spontan gute Ausstiege generieren und nutzen kann. In Mathe fällt mir das schwerer, aber das habe ich ja auch 8 Jahre lang kaum noch gemacht. Wobei fachlich ist Mathe bisher auch in der Q12 ziemlich entspannt. Die Klasse, die ich mir da anschaue ist in guten Teilen sicher vieles, aber keine bayerische Elite. Dafür muss man in der Unterstufe mehr schauen, wie man Themen didaktisch aufbereitet bekommt. Ansonsten machen die Hörstunden natürlich nur bedingt Spaß, die Fachsitzungen sind so naja und die allgemeinen Sitzungen sehr gemischt. Highlights waren ansonsten bisher ein Tag Stimmbildung – echt gut und sinnvoll – und der Wandertag. Interessant das mitzumachen und eine Klasse auch mal außerhalb der Schule zu erleben. Außerdem ist S-Bahn fahren mit Siebtklässlern schon ein kleines Abenteuer und man bekommt einen Herzinfarkt, wenn man sich verzählt 😉
Allerdings gibt es auch einige negative Aspekte aus dem Schulalltag, die mich als technikaffinen Menschen besonders treffen. WLAN gibt es keines. Weder für Schüler noch für Lehrkräfte. Internetzugang gibt es nur über ein paar Standrechner. Den eigentlichen Login dafür (Personalisiert) bekommen wir allerdings erst irgendwann – vermutlich so in 6 bis 8 Wochen, genau wie dienstliche Mail-Adressen. Im Moment teilen wir Mathe/Physik-Referendare uns einen gemeinsamen Account, den die Seminarlehrer eingerichtet haben. Das ist alles suboptimal. Wie soll man denn vernünftig arbeiten, wenn man mit seinem eigenen Laptop/Tablet nicht online kommt. Zumindest gibt es überall Beamer und in den Physikräumen auch die Möglichkeit sein Tablet drahtlos auf den Beamer zu spiegeln. Dazu gibt es hier auch standartmäßig Dokumentenkameras. Aber was Sensormesssysteme angeht, sind wir auch stark beschränkt.
Unangefochtenes Highlight war jedoch unsere Medieneinführung. Da sitzen 27 motivierte Referendare, die der Technik in der großen Mehrzahl positiv gegenüberstehen, und dann erzählt da ein gestresster, genervter Lehrer, was alles nicht funktioniert, was die Stadt München alles versprochen, aber nicht eingehalten hat, das er eigentlich gar keine Zeit für irgendwas hat und er auch nichts machen kann, sondern nur Tickets an die Stadt München schreibt. Ganz ehrlich: Das war eine Frechheit sondergleichen! So nimmt man selbst motivierten Referendaren jede Lust irgendwas digital zu machen und irgendwas neues auszuprobieren. Würde es hier intern ein Feedback-System geben (bei der sher guten externen Stimmbildung gabs das), dann wäre das sicher die letzte Medieneinweisung in dieser Qualität.
Ansonsten warte ich mal ab bis November. Wenn ich dann meine “eigenen” beiden Klasse habe, überlege ich mir, wie ich mit diesem Defizit an digitaler Ausstattung umgehe und wie ich dieses möglichst gut ausgleichen kann. Zumindest habe ich mich jetzt hier mal darüber ausgelassen.
Ansonsten bin ich etwas überrascht, dass bisher lediglich eine Lehrkraft gefragt hat, was ich denn in meiner Diss gemacht habe. Und das war auch noch eine Lehrkraft, der ich gar nichts von meinem Doktor erzählt habe, sondern die das am Wandertag von einem Mitreferendar erfahren hat. Ich will mich da ja auch nicht irgendwie aufdrängen oder so, aber irgendwie könnte man ja schon mal auf die Idee kommen zu fragen, ob ich dazu mal eine Schulinterne Lehrerfortbildung oder sowas mache. Schule hat ja immer wenig Geld und da sollte man doch versuchen das Potential, was man quasi im Haus hat, irgendwie zu nutzen, oder? Aber naja, vielleicht kommt das ja irgendwann noch. Und wenn nicht, dann eben nicht – ich muss nicht zwingend.
Jetzt freue ich mich aber erstmal auf den freien Tag morgen, höre noch ein bisschen Bosse, da ich gerade Karten für ein Konzert im März bestellt habe und genieße den ruhigen Abend…

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