Reisebericht Marokko

gepostet am Feb.04, 2018 um 15:38 Uhr in der Kategorie: Tagebuch

Vorneweg erstmal einige Bilder für einen besseren Eindruck:

So, da ich jetzt am Flughafen in Agadir sitze und der Rückflug nach München so mindestens 6 Stunden Verspätung hat, nutze ich doch mal die Zeit, um einen kleinen Reisebericht zur der Woche hier in Marokko zu schreiben.
Erste Frage: Wieso eigentlich Marokko bzw. Agadir? Naja, das ist eine gute Frage. Zunächst stand nur mal der Zeitraum fest, in dem ich Urlaub hatte – Ende Januar, wenn niemand sonst Ferien hat 🙂 Doch wo kann man um diese Zeit gut hinfahren, wenn man nicht gerade Skifahren möchte? Genau, ich hatte auch erstmal keine Ahnung und habe einfach in irgendwelchen Flugportalen gesucht. Und da es in Lissabon auch nicht wirklich warm ist um diese Jahreszeit und die Flüge auch relativ teuer waren, hielt ich die Augen nach Alternativen offen. Und dann gab es ziemlich günstige Tickets nach Agadir und da ich hier noch nicht war, wurden die direkt gebucht – ohne weiteren Plan.
Zweite Frage: Was macht an in Agadir, Marokko? Naja, eigentlich ziemlich einfach, zumindest wenn es nach den Deutschen Pauschaltouristen geht: Cluburlaub am Strand mit all inklusive. Das ist aber so gar nicht mein Fall, also stand das nicht zur Diskussion. Also lieber Mietwagen und ab ins eigentliche Leben und wirkliche Marokko. Nach etwas Recherche stand der Plan mit drei Stationen: Taroudant, Tafrout und Mirleft. Einmal klassische Stadt, einmal Berge im Anti-Atlas und einmal Meer und Strand.
Hier angekommen war die erste Herausforderung den Mietwagen zu bekommen, da auf dem Voucher fälschlicherweise drauf stand, man solle direkt raus zum Parkplatz gehen. Und ist man einmal draußen, kommt man ich wieder so einfach rein. Aber Marokkaner können ja improvisieren und so ging es dann zwischen Tür und Angel zum Mietwagen. Der war aber ganz cool. Auf einer breiten Straße ging es los nach Taroudant. Der Weg zum Riad (kleines Hotel) durch die Medina (Altstadt) war das erste kleine Highlight. Gefühlt quer über einen Markt in eine verwinkelte Gasse. Aber hat alles irgendwie funktioniert. Man darf nur keine Angst vor Menschen, Handkarren, Fahrrädern und Mofas haben, die alle kreuz und quer vor einem auf die Straße laufen/fahren. Einfach konstant und berechenbar weiterfahren, dann passt alles. Die Zimmer im Riad waren einfach, aber die Dachterrasse schon eine kleine Oase mitten im Stadtjungle. Kein toller Ausblick, aber schön ruhig und sonnig. Überhaupt sind Dachterrassen in Marokko üblich und eine ziemlich coole Sache. Beim Ankommen gab es wie überall erstmal Tee und Kekse. Und danach ging es raus in die Stadt mitten hinein in den Souk (Markt). Taroudant hat an sich wenig klassische Sehenswürdigkeiten, aber eine gut erhaltene Altstadt mit einer 6km langen, kompletten Stadtmauer samt Stadttoren. Ansonsten ist es eine stark muslimisch geprägte Stadt, obwohl historisch ein Zentrum der Berber. Touristen sind nicht wirklich viele hier, meist nur Tagesausflügler aus den Hotels in Agadir. So konnte man direkt zu Beginn das echte, unverfälschte Marokko erleben, mit halben Ziegen vor der Metzgerbude und noch lebenden Hühnern in der Eier-/Hühnchen-Bude. Fußball ist hier auch voll in, in jedem Café läuft la Liga (Spanien) und davor sitzen immer nur Männer 🙂 Klassisches Getränk: Tee mit Pfefferminz Klassische Essen: Couscous oder Tajine (ein Tongefäß mit spitz zulaufendem Deckel). Dazu immer Fleisch (Hähnchen, Kamel, Lamm). An sich ist Marokko dabei günstig. Abendessen zu zweit unter 20 Euro ist kein Problem, selbst in Touri-Läden. Wenn man will, schafft man auch locker unter 10 Euro. Positiv in Taroudant: Man wurde nicht ständig angequatscht, selbst auf dem Markt. Dabei fiel man hier als Westeuropäer tatsächlich direkt auf. Echt eine positive Überraschung.
Nach zwei Tagen Stadt ging es hinaus in die Berge des Anti-Atlas nach Tafrout. Die Straße hierhin abenteuerlich kilometerlang an Berghänge gebaut mit tollem Blick in Täler und auf Hügel. Einfach nur wow! In Tafrout war es aufgrund der Höhe kälter, aber in der Sonne immer noch angenehm bei 17 Grad. Hier bot die Dachterrasse einen tollen Blick in die felsige Berglandschaft rundherum. Toller Kontrast zur Stadt. Es folgte eine Fahrt durchs Ammelntal und zu den bemalten Felsen. Die sind überbewertet und man kann sich die schenken. Aber anschließend ging es weiter in ein Tal, dessen Name ich später nachschlagen muss. Auf einer schmalen Teerstraße (max. 1 Auto breit, aber in beider Richtungen Verkehr) ging es zunächst wieder in die Höhe und dann plötzlich steil bergab in ein grünes Tal wie eine Oase. Der Weg zwischen den Palmen gerade so ein Auto breit und höchstens 2,50m hoch. Rundherum immer alles grün und dazu gemauerte Wasserleitungen. Da wir keinen Jeep hatten, konnten wir leider keinen Rundweg aus der Tour machen, sondern mussten den selben Weg zurück. Wenn man mehr Zeit hat, kann man hier sicher auch super Wandern und Bergtouren machen-leider hatten wir die Zeit nicht. Nach zwei Nächten ging es schon wieder weiter in Richtung Mirleft. Auf dem Weg haben wir jedoch einen kleinen Umweg über einen Stausee gemacht. Man konnte sogar über die Staumauer fahren und von einem Hügel oberhalb hatte man einen tollen Blick auf den Stausee, der trotz Winter nicht voll war. Die Flüsse waren generell alle ziemlich ausgetrocknet, ich kann aber nicht sagen, ob das normal ist und die bspw. nur bei Regen sich mit Wasser füllen. In Mirleft angekommen erwartete uns eine luxuriöse Unterkunft. Eigentlich 4 Doppelzimmer, aber wir waren ganz alleine. Die Einrichtung wie aus 1000 und einer Nacht und dazu zwei Terrassen mit Blick auf das Meer, den Strand und die Hügel rundherum. Beim Nichtstun auf der Terrasse hörte man ganz entspannt das Meeresrauschen und brauchte sogar Sonnencreme. Ansonsten ist das ein toller Sandstrand, der super flach in Meer geht. Das Wasser war kalt, aber baden musste ich trotzdem zumindest einmal. Die Küste hier ist in der Regel eine steile Felsküste mit einigen Strandbuchten. An einem Abend ging es zum Aftas Beach und dort einen wunderbar kitschigen Sonnenuntergang anzuschauen. Schon ganz schick, insbesondere, wenn so wenig los ist, wie Ende Januar 🙂 Ach ja, ein Felsentor gab es dann auch noch, zu dem wir an der Küste entlang liefen. Das Zweite ist eingestürzt 😉 Insgesamt war Mirleft, wie geplant, aber eher der entspannte, erholsame Teil des Urlaubs. So habe ich auch einen ganzen Vormittag nur auf der Terrasse gelegen, Lustiges Taschenbuch gelesen und Hörbuch gehört. Sehr schön und leider viel zu schnell vorbei.
Und so ging es dann nach einem guten Frühstück wieder zurück zum Flughafen Agadir. Mietwagen abgeben lief ganz easy, allerdings zieht sich die Passkontrolle (wie auch bei der Einreise) etwas, aber das war ja eh egal, da schon bei der Ankunft feststand, dass unser Flieger statt um 12:35 erst um 17:00 Uhr gehen würde. Am Ende wurde es dann sogar 19:10 Uhr, bis wir Richtung München gestartet sind. Echt knapp, denn so war Landung um 23:48 Uhr in München – ab Mitternacht darf keine Maschine mehr landen. Aber naja, davon lass ich mir den Urlaub nicht verderben, sondern habe einen interessanten Tag am Flughafen genossen, an dem man ganz viele Leute und typische deutsche (und englische) Touristen beobachten konnte. Teilweise besser als Kino 😉

Sonstige Besonderheiten von Marokko:
– Zum Frühstück gibt es eine Art Pfannkuchen, die so fluffig und löchrig sind, dass man gefühlt durchschauen kann (nicht für Honig geeignet).
– Essenstechnisches Highlight: Karamelisierte Mandeln mit Sesam.
– Türen in Marokko sind immer bunt, auch bei einem noch so baufälligen Haus.
– Gebaut wird gefühlt auf Vorrat und nach dem Motto: Wir verkaufen das dann schon an irgendwen.
– Gemüsegärten sind häufig eingemauert – zum Schutz vor Schafen.
– Das schönste Gebäude in der Stadt ist in der Regel die Moschee und selbst im nirgendwo kann plötzlich irgendwo ein Palast stehen – ohne einen ersichtlichen Grund.
– Schulen sind immer bunt angemalt.
– Der Bus hält einfach am Straßenrand oder am Bushäuschen, dass auch mitten im Nichts stehen kann.
– Mit Campern oder Zelten von Berbern ist auch immer und überall zu rechnen.

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“Kein Bock mehr”-Phase

gepostet am Jan.13, 2018 um 17:09 Uhr in der Kategorie: Tagebuch

So, nach einigen ruhigen Wochen hier, muss ich mal wieder ein paar Zeilen schreiben. Ich glaube ich bin, was meine Dissertation angeht, gerade in der finalen “Ich habe einfach keinen Bock mehr darauf”-Phase angekommen. Also nicht, dass ich keine Lust mehr auf das Thema und meine Lernumgebung hätte, ganz im Gegenteil. Das Thema und der Inhalt machen mir immer noch riesig Spaß – ich habe nur einfach kein Lust mehr auf das sehr formale Schreiben, das ganze Zitieren und die ganze Statistik. Ich will jetzt einfach, dass das fertig wird und dann der Pflichtteil damit abgeschlossen. Klar steht dann immer noch die Doktorprüfung an, die in München an der guten LMU ganz besonders super ist: präsentiere mal eine Arbeit zu einer digitalen Lernumgebung mit Schwerpunkt Visualisierungen ohne jegliche Medien mit Ausnahme der Kreidetafel. Aber was solls, dass ist dann schon irgendwie zu überstehen und beinhaltet nur klassische Vorbereitung wie auf eine Klausur. Aber danach kann ich einfach viel freier mit der Lernumgebung umgehen, neue Dinge einbauen, alte rauswerfen und muss nicht immer die Diss im Kopf haben.

Aber glücklicherweise ist inzwischen auch tatsächlich ein Ende in Sicht- zumindest wenn dem Chef nichts mehr gravierendes einfällt, was noch anders werden soll. Und dann ist auch hoffentlich dies ich habe keinen Bock mehr Phase vorbei…

Ansonsten findet um mich herum gerade gefühlt ziemlich viel Leben statt – in allen positiven und negativen Facetten. So ist kurz vor Weihnachten ein guter Freund Papa geworden und dann trudelten in den letzten Wochen zwei fixe Einladungen zu Hochzeiten in 2018 ein. Andere Leute haben sich ein Haus gekauft. Jetzt sitze ich jedoch gerade im Zug nach Hannover, um mir einen intensiveren Überblick darüber zu verschaffen, warum denn eine Ehe auch gerade schon wieder auf der Kippe steht. Und von dort geht es dann direkt weiter nach Hause, um der Beerdigung meines Großvaters beizuwohnen. Alle Hochs und Tiefs des Lebens also gerade dabei. Ach ja und ich habe dann auch mal wieder Urlaub geplant. Wobei geplant ist viel zu viel gesagt – es sind nur die Flüge gebucht, ansonsten noch nichts. Ende Januar geht es für eine Woche nach Marokko. Warum Marokko? Gute Frage – weil es was neues ist, weil es was anderes ist, weil es da relativ war ist, weil die Flüge super günstig waren. Alles irgendwie Teil der Antwort. Auf jeden Fall freue ich mich auf die Woche 😉

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Ich und Hermes

gepostet am Nov.15, 2017 um 02:50 Uhr in der Kategorie: Tagebuch

Hätte ich doch mal meinen Mund gehalten bzw. meine Finger still gehalten und nicht laut angekündigt, dass ich das nächste Mal einfach wieder ein Paket mit Hermes liefern lasse, um meinen den Problemen mit der Deutschen Post aus dem Weg zu gehen. Die Probleme mit den langen Schlangen am Postschalter sind übrigens hier auch gerade in den lokalen Medien – aber die Post interessiert es trotzdem nicht wirklich und sie sieht kein Service-Problem, wenn die Leute aus der Filiale heraus um den halben Block Schlange stehen.

Aber zurück zu Hermes: Mein Fahrradschloss ist lustigerweise neulich beim Abschließen auseinandergefallen. Ja, ihr lest richtig, es ist ganz einfach auseinandergefallen, weil das Stahlseil in der Mitte einfach im Laufe der Zeit durchgerostet ist. Soviel zur Sicherheit meines alten Schlosses, aber es hat ja offensichtlich rein durch sein abschreckendes äußeres als Diebstahlschutz gewirkt (oder vielleicht ist mein Rad auf einfach zu hässlich/schrottig, dass es sich nicht lohnt es zu klauen). Aber da ich es dennoch nur ungerne unabgeschlossen vor der Uni rumstehen lassen will, musste ein neues Schloss her. Und da das in der Tat mal nicht bei Amazon am günstigsten war, habe ich es woanders bestellt und die lieferten mit Hermes. An sich auch alles super, relativ schnell ist mein Paket auf dem Weg und soll glücklicherweise auch an einem Samstag kommen – ich hatte nichts vor und war zu Hause. Irgendwann mittags schaute ich dann mal in die Sendungsverfolgung und da Stand zugestellt. Ich dachte nur “Interesssant – warum habe ich dann mein Schloss noch nicht?” Leider kann man auf der Seite nicht sehen, wo das Paket zugestellt wurde. Da es nicht vor der Wohnungstür stand war die Haustür die nächste mögliche Adresse – auch hier kein Paket, aber zumindest ein Zettel, dass das Paket bei einem Nachbar in einem Haus schräg gegenüber ist. Komisch nur, dass es den ganzen Tag nicht geklingelt hat – und das Testklingeln nach der Pakethol-Aktion lief problemlos.

Klar, alles kein Weltuntergang und bei weitem nicht so nervig wie 1 Stunde oder länger am Postschalter anstehen, aber noch nicht perfekt. Da warte ich doch drauf, dass irgendwann der Amazon-Bote die Haustür aufmachen kann und beim Abstellen des Paketes von einer Kamera beobachtet wird. Das wäre aus meiner Sicht echt eine erstrebenswerte Errungenschaft.

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Die Deutsche Post und ich – Folge 423

gepostet am Oct.14, 2017 um 15:10 Uhr in der Kategorie: Tagebuch

Ja, das zwischen der Deutschen Post und mir entwickelt sich wirklich zur never ending Story. Eigentlich versuche ich ja das alles mit viel Gelassenheit zu nehmen und zu ignorieren, aber was in der letzten Zeit mal wieder so passiert, kann nicht einfach unter dem Teppich verschwinden. Das muss hier dokumentiert werden, um in ein paar Jahren einfach nur darüber zu lachen und den Kopf zu schütteln.
Ich muss mal wieder ein Paket in der Postfiliale abholen, das mal wieder hier anstatt vor der Wohnungstür (extra Abstellerlaubnis erteilt) gelandet ist. Also dachte ich mir gestern Abend nach der Arbeit, fährst du noch schnell da vorbei, dann kannst du am Samstag mit dem Paketinhalt experimentieren (da ist Physikzeug drin). Als ich am Harras ankam, musste ich jedoch feststellen, dass die Leute deutlich aus der Tür heraus standen. Verrückt, dachte ich – da stelle ich mich nicht an. Ich verschwende keine halbe Stunde meines Lebens mit warten und anstehen für ein Paket, dessen Inhalt nur 5 Euro wert ist. Da geht die Kosten-Nutzen Rechnung nicht auf. Ich dachte in meinem positiv denkenden Leichtsinn, gehst du einfach morgen hin, da ist die Schlange bestimmt kürzer, weil mehr Personal da ist. Hätte man ja denken können, in jedem Supermarkt ist es ja auch so. Heute bot sich folgendes Bild:
Schlange-Postfiliale-Harras-2017-10-14
Da stellte sich spontan die Frage:

Ja ist denn heut’ schon Weihnachten?

Wieso kriegt es jeder Supermarkt hin die Schlangen kurz bzw. im Rahmen zu halten, während es die Deutsche Post einfach überhaupt nicht hinbekommt? Hat es vielleicht damit zu tun, dass bei der Post immer noch einige Beamte arbeiten? Oder vielleicht damit, dass es bei Postdienstleistungen einfach keine richtige Konkurenz gibt und Privatkonden so problemlos abgezockt werden können? Da lobe ich mir ja fast die alternativen Paketzustelldienste wie Hermes oder DPD. Da kann zwar kein Fahrer mehr Deutsch, aber wenn ein Paket nicht bei mir landet, kann ich es wenigstens bei ausgedehnten Öffnungszeiten ohne langes Warten abholen.
Und wenn ich schon dabei bin, muss ich auch gleich noch das Paket-Tracking von meinem letzten DHL-Paket hier posten. Das kam doch schlappe 8 (!!!) Tage an nachdem es laut der ersten Paketankündigung bei mir eintreffen sollte. Alles natürlich ohne wirklich Information oder Erklärung.

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Verliebt in den Status quo?

gepostet am Oct.11, 2017 um 02:34 Uhr in der Kategorie: Gefühle, Tagebuch

Kann man eigentlich in den Status quo seiner Lebenswelt verliebt sein? Und wenn ja, ist das eigentlich eher gut oder eher schlecht? Irgendwie klingt ja allein die erste Frage schon komisch und schräg, aber die zweite Frage dazu macht das ganze irgendwie noch komischer, noch weniger greifbar und auf jeden Fall noch viel komplizierter. Eigentlich ist ja verliebt sein eine ziemlich gute Sache. Aber wie ist man denn in seine Lebenswelt verliebt? Und wieso sollte das nicht gut sein? Naja, also irgendwie mag ich mein Leben im Moment (und in den letzten Jahren) ziemlich gerne. Mir geht es gut, ich fühle mich frei, relativ flexibel und relativ sicher was einen Job angeht (so sicher, wie sowas im universitären Kosmos eben möglich ist). Aber selbst wenn ich den spontan nicht mehr hätte, müsste ich mir sicher keine Gedanken um ein Auskommen machen. Aber im Moment gehe ich auch einfach gerne ins Büro, weil ich dort an spannenden Projekten arbeite, weil ich flexibel und selbst entscheiden kann, was ich nun genau tue und auch neue Dinge ausprobieren darf. Und wenn ich nicht im Büro bin, bin ich durchaus auch mal unterwegs, was ich ebenfalls genieße und auskoste. Ich mag meine Wohnung, ich mag es gerade kein Auto zu haben, mich um wenig kümmern zu müssen und wenig Verpflichtungen zu haben. Ich mag einfach so ziemlich alles und es gibt wenig, was mich wirklich stört. Und das wenige ignoriere ich einfach, weil es nicht wirklich meine Baustelle ist. Kurz: Ich bin irgendwie etwas verliebt in den Status quo meines Lebens.
Doch wo ist dann das Problem? Naja, platt gesagt könnte man vielleicht das Sprichwort “Stillstand ist Rückschritt” bemühen, wobei das inhaltlich gefühlt nur so halb zutrifft. Irgendwie ist es eher das Problem, dass ich weiß, dass jeder Zustand endlich sein sollte und auch endlich ist. Und wenn man verliebt in den Status quo ist, wieso soll man dann zum Status quo+1 (also dem nächsten Zustand, der nächsten Lebenssituation, dem nächsten Job oder was auch immer) wechseln wollen? Kann es eigentlich noch besser werden? Die Hoffnung hierauf ist ja oft der Antrieb für Veränderung. Alternativ der Wunsch was neues zu machen, zu sehen oder zu tun – doch das mache ich sowieso in gewisser Weise jeden Tag. Und so weiß ich gerade gar nicht, ob es wirklich gut ist, in den Status quo verliebt zu sein… Wobei ich könnte ja jetzt auch einfach mal ganz entspannt positiv denken und fragen, warum denn bitte der Status quo+1 schlechter sein soll als der Status quo und weniger liebenswürdig. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass der genau so gut ist. Und schließlich gibt es ja keinen Ausweg – früher oder später muss man zum Status quo+1 wechseln – vielleicht besser früher als später…
Aber naja, jetzt wechsel ich erstmal vom Schreibtisch ins Bett und lenke mich dort noch ein wenig mit Hörbuch hören von meinen komischen Gedanken ab 😉

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